Schafrotz / Pasteurellose

Erreger: Pasteurellosen werden insbesondere von Pasteurella multocida, Mannheimia haemolytica und Bibersteinia trehalosi der Gattungen Pasteurella, Mannheimia und Bibersteinia aus der Familie Pasteurellaceae hervorgerufen. Während Pastuerella multocida ein breites Wirtsspektrum einschließlich Vögel hat, spielen Mannheimia haemolytica und Bibersteinia trehalosi als Krankheitserreger ausschließlich bei Wiederkäuern eine Rolle.

 

Verbreitung: Als Wegbereiter spielen möglicherweise Mycoplasmen oder Viren eine Rolle, z. B. M. ovipneumoniae oder PI-3-Viren; Mannheimia haemolytica findet man auch auf den Schleimhäuten klinisch unauffälliger Tiere, Atemwegsprobleme treten unter Belastung, gelegentlich auch bei guten Haltungsbedingungen im Stall und bei Weidegang im Sommer auf !

Gewisse Pasteurellen-Typen sind bei fast allen Schafen in den oberen Luftwegen nachweisbar und rufen in der Regel keine Krankheitserscheinungen hervor. Zum Krankheitsausbruch kommt es meistens erst, wenn verschiedene belastende Faktoren auf die Tiere wirken: Futterumstellung und Weidewechsel, schlechtes Stallklima, schlechte Witterung, dichte Belegung im Stall und andere belastende Krankheiten wie z. B. Wurminfektionen. Diese Faktoren führen bei den Schafen zu einer Verschlechterung der körpereigenen Abwehr. Jetzt können sich die Pasteurellen vermehren, sie durchbrechen die Abwehrschranke des Körpers, und die Symptome der Pasteurellose treten auf.

 

Übertragung: Die Übertragung der Erreger erfolgt verzugsweise über die Stallluft als Tröpfcheninfektion; Ausscheider sind auch klinisch gesunde Altschafe. Anhand von Infektionsversuchen konnte demonstriert werden, daß bereits 12 Stunden nach Erregerkontakt charakteristische klinische Erscheinungen auftreten; die sog. Inkubationszeit ist somit im Vergleich zu anderen Infektionskrankheiten sehr kurz.

 

Verlauf: Symptome beobachtet man bei allen Altersgruppen meist ab der 2. LW, nicht selten nach dem Zukauf latent infizierter Tiere; über 50% der Tiere - vorzugsweise Lämmer bis zu einem Alter von 6 Monaten - können erkranken.

 

Symptome: Anfangs zeigen einzelne, fieberhaft erkrankte Tiere eine mit serösem bis eitrigem Nasenausfluss einhergehende erhöhte Atemfrequenz, die typischerweise von starkem, sporadisch auftretendem Husten begleitet wird. Bei Lämmern können infolge von Septikämien plötzliche Todesfälle auf treten. Ältere Tiere zeigen einen harten Husten, wässrigen bis schleimigen Nasenausfluss und eine angestrengte Atmung. Bei säugenden Mutterschafen können  Pasteurellen-Infektionen auch Mastitiden verursachen. Pasteurellose kann über Monate oder Jahre ein Bestandsproblem darstellen.

 

Diagnostik:ƒ

  • Erregernachweis mittels Nasentupfer (Transportmedium) von typisch erkrankten, nicht vorbehandelten Tieren (ev. Zuordnung zum Biotyp T mit den Serotypen 3, 4, 10, 15 bzw. zum Biotyp A mit den Serotypen 1, 2, 6, 7 ,9 (handelsübl. inakt. Vakzine) oder übrige Serotypen (bis A 15)
  • ƒPath.-anat. Untersuchung: Pneumonien, typischerweise begleitet von Brustfell- und Herzbeutelentzündungen
  • ƒMaedi-Infektionen, Lungenwurmbefall und Adenomatose müssen differentialdiagnostisch beachtet werden !

 

Behandlung: Wichtig ist das Abstellen schlechter Haltungs- und Umweltbedigungen. Zur Behandlung der akuten Erkrankung können verschiedene Antibiotika eingesetzt werden. Hierzu ist eine Bakterien-Resistenzprüfung (Antibiogramm) nach isolierung der beteiligten Bakterien in einem Untersuchungslabor empfehlenswert. Die Isolierung der Bakterien gelingt aus Nasentupferproben, veränderten Lungen von Schlachtschafen oder aus den Organen verendeter Tiere nach Obduktion.

Der zurzeit vorhandene Impfstoff wird mit wechselndem Erfolg eingesetzt. Wichtig ist die Durchführung nach Angaben des Herstellers und eine Impfung der Muttertiere sowie regelmässige Wiederholung bei den Lämmern.

 

 

Quellen: www.lgl.bayern.de, www.landwirtschaftskammer.de, Buch Schaf- und Ziegenkrankheiten von Johannes Winkelmann